

Theodor Fontane
Irrungen, Wirrungen
Lektüreschlüssel XL
für Schülerinnen und Schüler
Von Volker Ladenthin und Mario Leis
Reclam
Dieser Lektüreschlüssel bezieht sich auf folgende Textausgabe:
Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Roman. Hrsg. von Wolf Dieter Hellberg. Stuttgart: Reclam, 2013 [u. ö.] (Reclam XL. Text und Kontext, Nr. 19038).
Diese Ausgabe des Werktextes ist seiten- und zeilengleich mit der in Reclams Universal-Bibliothek Nr. 19601.
E-Book-Ausgaben finden Sie auf unserer Website
unter www.reclam.de/e-book
Lektüreschlüssel XL | Nr. 15508
2019 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Made in Germany 2019
RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
ISBN 978-3-15-961502-8
ISBN der Buchausgabe 978-3-15-015508-0
www.reclam.de
1. Schnelleinstieg

Im Mittelpunkt des Romans steht ein Liebespaar: die Kleinbürgerin Magdalene (Lene) Nimptsch und der adelige Offizier Botho von Rienäcker. Ihre Liaison ist skandalträchtig, weil sie alles andere als standesgemäß ist. Das Liebespaar genießt ein paar Monate seine erotischen Abenteuer und sein Glück, aber dann trennt sich Botho von Lene, weil seine Familie finanziell bankrott ist und nur die Heirat mit seiner vermögenden Kusine Käthe von Sellenthin Rettung verspricht.
Botho könnte zwar auch eine Mesalliance, eine sogenannte Missheirat, mit Lene eingehen, aber er ist zu feige und fügt sich in die Gesellschaftsordnung ein, um seine Familie zu retten. Er Liebesverzicht verzichtet auf die Liebe seines Lebens: »Ob ich nun frei bin? … Will ich’s denn? Ich will es nicht.« (S. 158) Nicht die freie Entscheidung – die möglich war – und Zuneigung bestimmen sein Handeln, sondern Konventionen und ökonomische Zweckmäßigkeit: Botho will gar nicht frei sein, sondern sozial reüssieren. Sein Leben scheitert nicht an der Gesellschaft, sondern an seinem Unwillen, die durchaus mögliche, aber unbequeme Freiheit zu wählen. Schließlich heiratet er seine Kusine, die »[w]undervolle Flachsblondine mit Vergissmeinicht-Augen« (S. 52 f.). Sie ist die lebendig gewordene Kopie der gesellschaftlichen Konventionen, die sie perfekt mit ihrer oberflächlichen Art und ihren Redensarten verkörpert.
Die Heldin des Romans ist Lene. Sie bleibt realistisch, sie erwartet keine langfristige Beziehung oder gar Heirat, die ihr, so erklärt sie selbst, standesgemäß nicht zustehe. Aber sie liebt innig: »Wenn ich einen liebe, dann lieb ich ihn. Und das ist mir genug.« (S. 20) Als Botho sich von ihr trennt, bleibt sie tapfer und Lene ist authentisch und souverän authentisch, gleichwohl ist dieser Verlust traumatisch für sie, aber ihr gelingt es, sich wieder neu in die Gesellschaft einzugliedern: »Wenn man schön geträumt hat, so muss man Gott dafür danken und darf nicht klagen, dass der Traum aufhört und die Wirklichkeit wieder anfängt.« (S. 105) Sie heiratet schließlich Gideon Franke, einen braven und etwas kauzigen Mann, der aber untadelig ist und seine Prinzipien selbstbewusst vertritt.
Als Käthe die Heiratsannonce vorliest, die Lenes und Frankes Verehelichung kundtut, spöttelt sie über den befremdlichen Vornamen »Gideon«. Ihr geschockter Ehemann Botho erklärt daraufhin – im letzten Satz des Romans – seine zweideutige Bankrotterklärung: »Gideon ist besser als Botho.« (S. 180)
2. Inhaltsangabe
Der Roman lässt sich in zwei Teile gliedern: Der erste Teil umfasst die Kapitel 1–16 und beschreibt Anfang, Verlauf und Auflösung der Liaison zwischen Botho von Rienäcker und Magdalene Nimptsch. Der zweite Teil umfasst die Kapitel 17–26 und erzählt von der Verlobung, Heirat und Ehe Bothos und Käthes.
Erster Teil
1. Kapitel: Frau Nimptsch, Frau Dörr, Botho und Lene
Der Roman beginnt mit der Vorstellung des künftigen Der Schauplatz Schauplatzes, Berlin, genauer: Wilmersdorf, in der Nähe des Zoologischen Gartens, wo sich eine Gärtnerei und nebenan ein recht ärmliches Anwesen befindet. Die Handlung trägt sich »Mitte der 70er Jahre« (S. 5) des 19. Jahrhunderts zu; die Erzählung setzt »die Woche nach Pfingsten« (S. 5) ein.

Abb. 1: Schauplätze des Romans
Der nächste Abschnitt stellt die Die Hauptfiguren Hauptfiguren vor, die alte, etwas kränkliche Frau Nimptsch sowie die Nachbarin, die Frau des Gärtners Dörr, eine »robuste […] vor allem auch eine sehr stattlich aussehende Frau«, die nicht nur den »Eindruck des Gütigen und Zuverlässigen«, sondern auch »einer besonderen Beschränktheit machte« (S. 6). Frau Nimptsch und ihre Nachbarin Dörr reden über die Hauptfiguren des Romans: Frau Nimptschs »Pflegetochter« Lene und ihren Freund Botho. Viele kleine Hinweise deuten darauf hin, dass sowohl Frau Dörr wie auch Frau Nimptsch die Liaison zwischen Lene und dem Baron für problematisch halten. Offensichtlich geht es darum, ob sich aus der Liebschaft eine Heirat ergeben könnte. Frau Dörr, die vor vielen Jahren eine sexuelle Beziehung mit einem Grafen hatte, fragt unverblümt: »Und wie steht es denn?« (S. 7)
2. Kapitel: Lenes Wohnumfeld
Das nächste Kapitel stellt hauptsächlich die Wohnsituation, die »Welt von Baulichkeiten« (S. 9) von Frau Nimptsch und den Dörrs vor, und damit den Der psychosoziale Hintergrund psychosozialen Hintergrund Lenes: Sie wohnen in einer »höchst primitive[n] Herrichtung« (S. 9). Im Winter muss das Ehepaar Dörr sogar in zwei Treibhäusern neben der Gärtnerei leben, weil es dort wärmer ist.
Herr »Trivialerscheinung«: Herr Dörr Dörr ist »eine vollkommene Trivialerscheinung« (S. 11) mit diversen Macken. Mit im Haushalt lebt sein aus erster Ehe stammender, »etwas geistesschwache[r] Sohn« (S. 9).
3. Kapitel: Botho und Lene, ein Liebespaar
Der Autor stellt die Lebensumstände und Charaktereigenschaften des Ehepaars Dörr vor: Einfache, aber rechtschaffene Besitzer einer kleinen Gärtnerei – wobei Herr Dörr als jemand erscheint, der ein klein wenig zu Boshaftigkeiten und kleinen Schummeleien neigt, um mehr Geld zu verdienen.
Später plaudern Lene und Frau Dörr ein wenig, wobei sie schnell auf Lenes Liebschaft zu Botho zu sprechen kommen. Botho und Lene, die Vorgeschichte Lene erzählt, wie es am »zweiten Ostertag« (S. 17) zu ihrer ersten Begegnung kam: Sie war mit ihrer Freundin Lina Gansauge und ihrem Bruder Rudolf auf dem See bei Stralau, als sie durch ungeschicktes Rudern in eine bedrohliche Lage gerieten. Zwei beherzte junge Männer, die von einem anderen Ruderboot aus schon dezent Kontakt mit der Dreiergruppe aufgenommen hatten, retteten sie. Am Abend brachten die beiden adeligen Retter die beiden Mädchen mitsamt Bruder nach Hause. »Und seitdem ist er oft gekommen« (S. 19).
Frau Dörr erspürt, dass sich hier schnell Schwierigkeiten und Enttäuschungen ergeben könnten und empfiehlt Realismus und Duldsamkeit: »Un natürlich, was denn kommt, das muss man aushalten un darf sich nicht wundern.« (S. 19) Tatsächlich bleibt Lene Lene weiß um ihr befristetes Liebesglück realistisch, sie erwarte keine langfristige Beziehung oder gar Heirat, die ihr ohnehin nicht zustehe. Aber: »Wenn ich einen liebe, dann lieb ich ihn. Und das ist mir genug.« (S. 20)
4. Kapitel: Botho schwärmt scheinbar vom einfachen Leben
An einem schönen Abend besucht Botho Lene, Frau Nimptsch und die drei Dörrs. Man will dem Baron schon bei der Platzwahl alle Ehre erweisen, was er aber leutselig ablehnt. Er führt etwas übertrieben aus, dass das bescheidene Leben einfacher Menschen seine besonderen Reize habe: »Jeder Stand hat seine Ehre.« (S. 22) Als kleine Aufmerksamkeit hat er Knallbonbons mitgebracht, die nun geöffnet werden und zwei Spruchweisheiten mit vorausdeutender Botschaft enthalten: »In Liebe selbstvergessen sein, / Freut Gott und die lieben Engelein« und »Wo Amors Pfeil recht tief getroffen, / Da stehen Himmel und Hölle offen« (S. 24).
Um zu zeigen, wie man sich in seinen Kreisen unterhält, führt er ein Bothos adelige Rollenspiele Rollenspiel vor. Er inszeniert ein Gespräch darüber, welche Sehenswürdigkeiten es in Dresden gibt, und berichtet zudem über das Elend eines verarmten Adeligen. Bei diesen Tischgesprächen erklärt er, sei alles Gerede »ganz gleich« (S. 27) und nahezu bedeutungslos. Als die kleine Abendgesellschaft von weither Musik erklingen hört, beschließt man nach adeliger Etikette zu tanzen. Schließlich geht man zu einer kleinen Familienfeier mit Kirschwasser, eher ein proletarisches Getränk, über.
5. Kapitel: Lene weiß um das bevorstehende Ende der Liebesbeziehung
Nach der kleinen Familienfeier spazieren Botho und Lene im Mondschein durch die Gärtnerei. Lene weiß, ihre Beziehung wird keine Zukunft haben. Ihr ist bewusst, dass er durch seine »Mutter, oder das Gerede der Menschen, oder die Verhältnisse, oder vielleicht alles drei …« (S. 34) gezwungen sei, standesgemäß zu heiraten. Botho stellt dies energisch in Abrede, ohne sie jedoch überzeugen zu können. Lene erklärt, sie Lene akzeptiert ihr Schicksal akzeptiere den jetzigen Zustand; der erlebte Moment sei ihr Glück. Allerdings müsse man »allem ehrlich ins Gesicht sehn und sich nichts weis machen lassen und vor allem sich selber nichts weis machen.« (S. 35)
6. Kapitel: Bothos Dilemma
Eine Woche später: Botho sitzt in seiner Wohnung in der Bellevuestraße, die ein wenig über seine derzeitigen finanziellen Möglichkeiten ausgestattet ist. Die Post bringt ihm Briefe für Botho drei Briefe: Neben einer Briefwerbung eine Nachricht seines Onkels Kurt Anton Osten, der ihn zu einem Treffen einlädt. Botho ahnt, dass ihm der Onkel – vielleicht im Auftrag von Bothos Mutter – bei dieser Gelegenheit »Pläne« (S. 39) unterbreiten wird. Der dritte Brief ist von Lene, die ihre Sehnsucht nach einem Treffen äußert und zugleich wieder auf das irgendwann zu erwartende Ende der Beziehung hinweist, das ihr einen »Stich ins Herz« (S. 38) geben würde. Auch berichtet sie, dass sie Botho mit einer »schöne[n] Blondine« (S. 38) gesehen habe. Beide hätten offenbar Gefallen aneinander gefunden, was die Mutter wohlwollend beobachtet habe. Botho kommentiert die Briefe und kleidet sich für das Treffen mit seinem Onkel an.
7. Kapitel: Bothos Onkel fordert die Heirat ein
Botho begibt sich zum Treffen mit seinem Onkel Kurt Anton von Osten, nicht ohne vorher seine Dienstpflichten zu erfüllen und danach erfreut Gemälde in Kunsthandlungen zu betrachten. Auf dem Weg zum verabredeten Ort trifft er Leutnant von Wedell, den er kurzerhand einlädt, mit ihm zu kommen. Sein Onkel freut sich über den zusätzlichen Gast. Aber während man anfangs über die preußische Geschichte plaudert, wird der Onkel zusehends unruhig. Der Grund hierfür stellt sich schnell heraus: Er will seinem Neffen Nachdrückliche Erinnerung an die verabredete Heirat mitteilen, dass dieser innerhalb eines Jahres endlich wahrmacht, was von den »Eltern schon verabredet« (S. 48) war, nämlich Käthe von Sellenthin zu heiraten. Schließlich sei sie immer fröhlich und besitze jene finanziellen Möglichkeiten, die Botho dringend zum Erhalt seines Lebensstandards brauche, denn seine Güter sind so gut wie wertlos.
8. Kapitel: Bothos Kameraden plädieren für die Heirat
Im Klub vertreiben sich Bothos Kameraden Serge und Pitt beim Kartenspielen gelangweilt die Zeit, als Wedell hinzukommt und Bericht erstattet. Die drei sind der Freunde befürworten die arrangierte Heirat Auffassung, dass Botho die »[w]undervolle Flachsblondine mit Vergissmeinicht-Augen« (S. 52 f.) heiraten solle, da er schon jetzt finanziell ruiniert ist: »Heiraten ist […] die Rettung«. (S. 52) Dem Einwand, dass Botho »in manchem seinen eignen Weg geht«, wird zwar stattgegeben: »Aber die Verhältnisse werden ihn zwingen« (S. 53).
9. Kapitel: Doppeldeutiger Spaziergang: Lene, Botho, Frau Dörr
Lene und Botho laden Frau Dörr zu einem Spaziergang durch die Wilmersdorfer Landschaft ein. Es scheint, als alberten die drei nur ausgelassen herum, aber alle Bemerkungen von Frau Dörr sind Anspielungen auf Liebe und Sexualität Anspielungen auf Liebe, Sexualität oder Schwangerschaft, so dass Lene aus den »kleinen Verlegenheiten gar nicht heraus zu kommen« (S. 57) scheint. Am Ende des Spaziergangs wirken schließlich alle Bemerkungen doppeldeutig und spiegeln die Liebesbeziehung: Lene rät und wettet auf die Zukunft, weil sie immer »gleich weiß« (S. 57), was geschehen wird. Sie spielen »Fangen«, wobei Lene sich »sicher [ist], Botho werde sie nicht fangen« (S. 59). Und sie singen zusammen ein Lied mit einem Vers, welcher die beiden Verliebten wieder »ernst« werden lässt: »ich danke dir mein Leben« (S. 60).
10. Kapitel: Lene ahnt die Beziehungskrise
Nach dem Spaziergang geht die kleine Gesellschaft zu Frau Nimptsch und bereitet einen gemütlichen Abend vor. Man neckt sich und plaudert, man spricht über das Glück zu leben, den Grabschmuck, den Frau Nimptsch sich wünscht, und »philosophiert[ ]« (S. 65) über Triviales. Aber Lene Dunkle Vorahnungen ahnt die Krise, als sie zu ihrem Geliebten sagt: »Du hast auch eine Maske.« (S. 63). Frau Nimptsch bestätigt sie indirekt: »Ach, meine liebe Lene, man hat nichts sicher, gar nichts« (S. 64).
11. Kapitel: »Hankels Ablage« – Bindendes Blumenritual
Wenige Wochen später haben Botho und Lene sich auf eine Landpartie zu einem Ausflugslokal namens »Hankels Ablage« geeinigt, das »fern von dem großstädtischen Getreibe« (S. 66) liegt. Während der Bahnfahrt dorthin enttarnt sich Botho: Er würde sich in der Öffentlichkeit für die Einfalt von Frau Dörr schämen, da sie eine »komische Figur« (S. 67) sei – was ganz im Gegensatz zu seinen früheren Äußerungen steht.
Angekommen in »Hankels Ablage«, entscheiden sich Lene und Botho für ein Lene und Botho im Doppelzimmer Doppelzimmer. Danach unternehmen sie eine kleine Bootsfahrt und wandern ein wenig. Lene ist von den Örtlichkeiten »angeheimelt« (S. 68), aber sie ärgert ihren Geliebten mit beiläufigen »kleinen Spitzen« (S. 70) – ein Beispiel: Sie unterstellt ihm, den Ostermontag – den Tag ihrer ersten Begegnung – als »Unglückstag ansehen [zu] wollen« (S. 69). Bei der Wahl des Ruderboots entscheidet sie sich für das Boot »Forelle« und nicht für jenes mit dem Namen »Hoffnung«, denn: »Was sollen wir mit der Hoffnung?« (S. 69).
Schließlich bindet sie, trotz ihrer eigenen Warnung, dass das »Haar [ver]bindet« (S. 72), einen Strauß aus Vergissmeinnicht und Immortellen mit der ernsten Bemerkung: »Nun bist du gebunden.« (S. 72) – was Botho irritiert und ihm am Ende des Romans wieder gegenwärtig wird.
12. Kapitel: »Hankels Ablage« – Lene fühlt sich nicht wohl
Am Abend zieht sich Lene, leicht indisponiert, auf das Doppelzimmer zurück, nicht ohne von der Wirtin bedrängt zu werden, die das Unwohlsein als mögliche Schwangerschaft deutet. Botho unterhält sich im Gastraum leutselig mit dem Wirt, um einiges über den merkwürdigen Namen »Hankels Ablage« und die Freizeitgewohnheiten der Berliner Ausflugstouristen zu erfahren, die zu diesem »Etablissement« kommen.
Währenddessen erholt sich Lene von der eher psychosomatischen Unpässlichkeit und betrachtet die im Zimmer aufgehängten Bilder. Sie deutet sie als Anspielungen auf ihre Beziehung zu Botho: Von Bildern mit frivolen Inhalten fühlt sie sich pikiert; als sie fremdsprachige Bildunterschriften nicht lesen kann, ahnt sie die kulturelle Kluft zwischen Lene und Botho Distanz zu ihrem Liebhaber, der diese Auffassung allerdings zuvor leutselig bespöttelt hatte. Trotz dieser Irritationen scheint sie glücklich, als sie sich zur Nacht bereitet, ihr Haar löst und Botho das Zimmer betritt.
13. Kapitel: »Hankels Ablage« – Mätressen-Intermezzo
Lene und ihr Liebhaber kommen zum Frühstück aus ihrem Zimmer, und sie genießt diese Stunde, als wenn es die letzte schöne wäre. Botho äußert sich zum Wirt anspielungsreich über die letzte Nacht. Auf einem kleinen Rundgang betrachtet Lene ein alt gewordenes Ehepaar, eine in Arbeit versunkene Magd und erklärt, dass all dies für sie »Zeichen« und »Fügung« (S. 84) seien.
Botho und Lene beschließen, eine Bootspartie zu unternehmen, aber gerade als sie ablegen wollen, erscheinen die drei innigsten Freunde Bothos, Balafré, Pitt und Serge, mit ihren Liebhaberinnen – sei es zufällig oder als »eine geplante« (S. 85) Störenfriede Störung. Übermütig und frivol stellen die drei Männer ihre Freundinnen als Figuren aus Schillers Schauspiel Die Jungfrau von Orleans vor, Liebschaften, die aber alles andere als jungfräulich sind, eben Huren.
Botho spielt sofort das Spiel seiner Freunde mit und nennt seine Geliebte »Agnes Sorel« (S. 85), eine berühmte Mätresse, was Lene aber nicht merkt, da sie die Anspielung nicht versteht.
Die drei Lene und die drei Mätressen Frauen nehmen Lene als ihresgleichen in ihre oberflächliche Gemeinschaft auf und sondern sich von den Männern ab, um ein opulentes Mittagessen mit dem Wirt zu besprechen und einen kleinen Spaziergang durch die Natur zu unternehmen. Die Ältere der Neuankömmlinge erklärt mit »kleinen Anzüglichkeiten« (S. 87), dass man sich nur für eine bestimmte Dauer mit den Männern eingelassen habe. Serge versuche zwar, seine Freundin aus dem angestammten Milieu herauszuholen und etwas aus ihr zu machen, sie selbst aber bestehe auf »Ordnung und Anständigkeit« (S. 91) der tradierten Gesellschaftsverfassung. Sie erwarte dabei zwar durchaus eine angemessene finanzielle Anerkennung, aber keinesfalls eine langfristige Bindung: »je bälder man wieder ’raus ist, desto besser.« (S. 91) Da bemerkt sie schlagartig, dass Lene das nicht so sieht, sondern mit dem Herz dabei ist. Die beiden anderen Mädchen lästern über Lene, weil diese ihr kokettes Spiel ablehnt.
14. Kapitel: »Hankels Ablage« – Ende der vermeintlichen Idylle
Durch das Intermezzo ist die zärtliche Stimmung zwischen Botho und Lene gestört und will sich auch auf der Rückfahrt der beiden nach Berlin nicht wieder einstellen. Die Wende in der Beziehung ist eingetreten. Lene will vom Bahnhof allein nach Hause gehen, aber trotzdem begleitet Botho sie, was aber nur zu einer »schreckliche[n] Zwangsunterhaltung« (S. 94) führt.
Am nächsten Morgen erhält Botho einen Brief von seiner Brief von Bothos Mutter Mutter, die ihm darlegt, dass der wirtschaftliche Ruin bald zu befürchten sei. Der Onkel Kurt Anton Osten mache eine weitere Unterstützung davon abhängig, ob Botho in die Verheiratung mit Käthe von Sellenthin einwillige. Zudem habe die Mutter Käthes angedeutet, dass sie nicht gewillt sei, noch länger auf eine Entscheidung Bothos zu warten: Er müsse sich jetzt entscheiden.
Auf einem Ausritt reflektiert Botho in einem Monolog noch einmal seine Situation und wägt die verschiedenen Argumente ab, um sich zwischen wirtschaftlicher Klugheit und seiner Liebe zu Lene zu entscheiden. Am Ende wählt er die »Ordnung« (S. 102), d. h. die standesgemäße und finanziell ergiebige Ehe mit Käthe.
15. Kapitel: Botho trennt sich von Lene
Erst am nächsten Morgen schreibt er Lene eine kurze Nachricht, in der er erklärt, dass es die Umstände seien, die ihn zu der Trennung zwingen. Am Abend treffen sich Botho und Lene, und er versucht eine Art Entschuldung für sein Verhalten zu erreichen, die ihm Lene auch gibt: Von aller Schuld »sprech ich dich frei« (S. 105). Sie hingegen verweist darauf, dass sie das Ende »von Anfang an« habe »kommen sehn« (S. 105).
Während Botho sich als Botho als Opfer?Opfer der Verhältnisse darzustellen versucht, stellt Lene souverän fest: »Alles war mein freier Entschluss.« (S. 105) Schließlich verabschiedet Botho sich von Frau Nimptsch; ihr gegenüber stellt er sich auch als Opfer dar. Sie indes schickt sich wortlos in das, was sie immer gewusst hatte: »Dass es so gut sei.« (S. 106) Am Gartenzaun versucht Botho, den endgültigen Abschied von Lene noch ein wenig hinauszuzögern, aber sie wehrt dies »heftig mit der Hand« (S. 107) ab.
16. Kapitel: Käthe und Botho heiraten
In der Kreuzzeitung wird die Vermählung Botho Freiherr von Rienäckers mit Käthe, geborene von Sellenthin, angezeigt. Lene bekommt die Anzeige in einem Briefumschlag anonym zugeschickt, vermutlich von einer »neidische[n] Kollegin« (S. 108).
Bothos und Käthes Hochzeitsreise Hochzeitsreise führt nach Dresden. Er scheint vordergründig mit seiner Gattin zufrieden zu sein, denn so »leuchtend und hellblond« (S. 108) sie ist, so erscheint auch ihr Wesen. Aber dennoch muss Botho erkennen, dass das Gemüt seiner Frau »lediglich am Kleinen und Komischen« hängt (S. 108). Auf der Heimfahrt stellt er sie auf die Probe, er fragt sie, was ihr in Dresden am besten gefallen habe. Käthe durchschaut durchaus seine prüfende Absicht, kokettiert ein wenig mit der Antwort, um dann eine überfüllte Konditorei, ein Lustspieltheater und zwei fragwürdige Gemälde zu nennen – eine Antwort, deren Naivität um so mehr wiegt, als Dresden zu jener Zeit eine an bedeutsamen Kunstwerken übervolle Barockstadt war, die in Europa ihresgleichen suchte.
Die Jungverheirateten ziehen in eine Das Ehepaar in der neuen Stadtwohnung Stadtwohnung in der Landgrafenstraße ein. Bei dem Versuch, sich zu orientieren, fragt Käthe Botho nach dem angrenzenden Dörfchen Wilmersdorf und versteht nicht, warum er bei der Beantwortung dieser scheinbar harmlosen Frage ins Stottern gerät. Ihre Wohnung ist »keine tausend Schritt« (S. 111) von dem Haus der Nimptschs entfernt – wo Lene noch immer wohnt. Und sie pflegt, um ihre Besorgungen zu machen, durch die Landgrafenstraße zu gehen, ahnungslos, dass dort Botho mit seiner Frau lebt.
Lene kommt von einer Besorgung zurück und Lene sieht zufällig Käthe und Botho sieht Botho und Käthe auf sich zukommen, die in ein lautes und offensichtlich heiteres Gespräch vertieft sind. Schnell wendet sie sich ab und betrachtet belanglose Auslagen eines Geschäftes. Botho und Käthe gehen an ihr vorbei. Dabei bekommt sie mit, dass die beiden in der Tat scherzen. Lene muss den Eindruck gewinnen, dass sich Botho in seine von der Gesellschaft zugedachte Rolle gefügt hat – und dass die beiden offensichtlich eine glückliche, ja heitere Ehe führen. Sie ist völlig niedergeschlagen, sie muss sich in einem fremden Vorgarten beruhigen, geht nach Hause »ohne Bewusstsein dessen, was um sie her vorging« (S. 114).
Lene schleppt sich mit letzter Kraft nach Hause, wo Frau Nimptsch sofort die »Veränderung in Lenens Gesicht« (S. 114) bemerkt, als diese sich »wie halbtot« (S. 114) hinsetzt. Frau Nimptsch ruft in ihrer Hilflosigkeit die robuste Frau Dörr zu Hilfe, die Lene mit allerhand Hausmitteln zu helfen sucht. Freilich wird beiden Frauen schnell klar, dass hier psychische und nicht organische Ursachen für den Schwächeanfall anzunehmen sind: »Von die Männer kommt es.« Deshalb sei sie »dod und lebendig.« (S. 115)
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.